Bluttest für Alzheimer mit hoher Genauigkeit

Ein Bluttest, der an der Washington University School of Medicine in St. Louis entwickelt wurde, hat sich in einer Studie mit fast 500 Patienten aus drei Kontinenten als äußerst genau bei der Erkennung früher Anzeichen der Alzheimer-Krankheit erwiesen, was weitere Beweise dafür liefert, dass der Test für Routineuntersuchungen in Betracht gezogen werden sollte.

Die Studie ist in der Zeitschrift Neurology verfügbar.

„Unsere Studie zeigt, dass der Bluttest ein zuverlässiges Maß für den Nachweis von Amyloid-Plaques im Zusammenhang mit der Alzheimer-Krankheit bietet, selbst bei Patienten, die noch keinen kognitiven Rückgang erfahren“, sagte der leitende Autor Randall J. Bateman, MD, Charles F. and Joanne Knight Distinguished Professor der Neurologie.

„Ein Bluttest für Alzheimer bietet einen enormen Schub für die Alzheimer-Forschung und -Diagnose, indem er den Zeit- und Kostenaufwand für die Identifizierung von Patienten für klinische Studien drastisch reduziert und die Entwicklung neuer Behandlungsoptionen vorantreibt“, sagte Bateman. „Wenn neue Medikamente verfügbar werden, könnte ein Bluttest bestimmen, wer von der Behandlung profitieren könnte, einschließlich derer in sehr frühen Stadien der Krankheit.“

Der von Bateman und Kollegen entwickelte Bluttest bewertet anhand des Verhältnisses des Amyloid-Beta-Proteine Aβ42 und Aβ40 Spiegel im Blut, ob sich Amyloid-Plaques im Gehirn angesammelt haben.

Forscher verfolgen seit langem einen kostengünstigen, leicht zugänglichen Bluttest für Alzheimer als Alternative zu den teuren Gehirnscans und invasiven Spinalpunktionen, welche momentan verwendet werden, um das Vorhandensein und Fortschreiten der Krankheit im Gehirn zu beurteilen.

Die Beurteilung der Krankheit mit PET-Gehirnscans – immer noch der Goldstandard – kostet zwischen 5.000 und 8.000 US-Dollar pro Scan. Ein weiterer gängiger Test, der die Konzentrationen von Amyloid-beta und Tau-Protein in der Zerebrospinalflüssigkeit analysiert, kostet etwa 1.000 US-Dollar, erfordert jedoch eine Spinalpunktion, welche sehr schmerzhaft ist.

Diese Studie schätzt, dass das Vorscreening mit einem Bluttest im Wert von 500 US-Dollar sowohl die Kosten als auch den Zeitaufwand für die Aufnahme von Patienten in klinische Studien mit PET-Scans um die Hälfte reduzieren könnte. Das Screening allein mit Bluttests könnte in weniger als sechs Monaten abgeschlossen sein und die Kosten um das Zehnfache oder mehr senken, so die Studie.

Die aktuelle Studie zeigt, dass der Bluttest sehr genau bleibt, selbst wenn er in verschiedenen Labors nach unterschiedlichen Protokollen und in verschiedenen Kohorten auf drei Kontinenten durchgeführt wird.

Die Wissenschaftler wussten nicht, ob kleine Unterschiede in den Probenahmemethoden, z. B. ob Blut nach dem Fasten entnommen wird, oder die Art des bei der Blutverarbeitung verwendeten Antikoagulans einen großen Einfluss auf die Testgenauigkeit haben könnten, da die Ergebnisse auf subtilen Veränderungen des Beta-Amyloids beruhen Proteinspiegel im Blut. Unterschiede, die die genaue Messung dieser Amyloid-Protein-Verhältnisse stören, könnten ein falsch negatives oder positives Ergebnis ausgelöst haben.

Um die Genauigkeit des Tests zu bestätigen, wandten die Forscher ihn auf Blutproben von Personen an, die an laufenden Alzheimer-Studien in den Vereinigten Staaten, Australien und Schweden teilnehmen, die jeweils unterschiedliche Protokolle für die Verarbeitung von Blutproben und die damit verbundene Bildgebung des Gehirns verwenden.

Die Ergebnisse dieser Studie bestätigten, dass der Aβ42/Aβ40-Bluttest unter Verwendung einer hochpräzisen Immunpräzipitations-Massenspektrometrietechnik, die an der Washington University entwickelt wurde, in allen drei Studien hochpräzise und konsistente Ergebnisse sowohl für kognitiv beeinträchtigte als auch für nicht beeinträchtigte Personen liefert.

Wenn die Amyloidspiegel im Blut mit einem anderen wichtigen Alzheimer-Risikofaktor – dem Vorhandensein der genetischen Variante APOE4 – kombiniert wurden, betrug die Genauigkeit des Bluttests 88 % im Vergleich zur Bildgebung des Gehirns und 93 % im Vergleich zur Spinalpunktion.

„Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Test nützlich sein kann, um nicht beeinträchtigte Patienten zu identifizieren, bei denen ein Risiko für zukünftige Demenz besteht, und ihnen die Möglichkeit bietet, sich für klinische Studien anzumelden, wenn eine frühzeitige Intervention das Potenzial hat, den größten Nutzen zu erzielen“, sagte Bateman. „Ein negatives Testergebnis könnte Ärzten auch helfen, Alzheimer bei Patienten auszuschließen, deren Beeinträchtigungen möglicherweise mit anderen Gesundheitsproblemen, Krankheiten oder Medikamenten zusammenhängen.“

Quelle: Washington University School of Medicine in St. Louis

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